Im Rahmen einer Bauforschungskampagne konnten in Mühlebach insgesamt zehn Bauten zwischen 1381 und 1497 identifiziert werden – es ist der älteste in Holz errichteten Dorfkern der Schweiz. Die älteste Datierung gehört zu diesem Speicher. In der Region herrschte Getrenntbauweise vor, das heisst, sämtliche Funktionen sind in eigenständigen Gebäuden untergebracht. Speicher waren wichtig, um die Brandgefahr resp. den Verlust der Vorräte oder Wertgegenstände zu verringern: Anders als im Wohnhaus wurde im Speicher nicht mit offenem Feuer hantiert. Der typische Speicher gliedert sich in drei Ebenen: einen ein- oder zweigeschossigen Unterbau, der häufig als Werkstatt oder Kleintierstall genutzt wurde, einer dazwischen liegenden offenen Ebene mit Stützen und eingefügten Steinplatten als Mäuseschutz, sowie dem eigentlichen Lagerraum im Obergeschoss. Oft teilten sich mehrere Familien oder Eigentümer einen Speicher. Dies lässt sich an der Zahl der Türen am Gebäude ablesen – bis zu vier Eingänge waren keine Seltenheit. Der älteste Mühlebacher Speicher besitzt nur eine Tür und ist bis auf kleine Belüftungsöffnungen fensterlos. Anders als bei Wohnhäusern wurden die Balkenenden nicht akkurat zugesägt, die obersten Lagen kragen weiter aus und die Ecken sind unregelmässig ausgebildet.
Bellwald, Werner: Spätmittelalterliche Holzbauten im Wallis. Ein aktueller Forschungsbericht, in: Kunst + Architektur in der Schweiz 1/2010, S. 14–19. – Anderegg, Klaus; Bellwald, Werner; Flückiger- Seiler, Roland et.al.: Die Bauernhäuser des Kantons Wallis – Les maisons rurales du Valais Bd 3.1 (= Die Bauernhäuser der Schweiz), Basel 2011, S. 549–556.
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