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Glossar

Blockbau

Die grosse Verfügbarkeit harzreicher Nadelhölzer im Alpenraum ermöglichte über Jahrhunderte die Erstellung von materialintensiven Blockbauten. Blockbauten sind traditionell verbreitet in Russland, Skandinavien und in europäischen Gebirgsregionen. In der Schweiz findet man sie im Berner Oberland, in der Innerschweiz, im Wallis, in den Fribourger Alpen sowie in Graubünden. Umgangssprachlich werden auch die Bezeichnungen Chalet, Gwätt- oder Strickbau verwendet.

Bei der Blockbauweise werden gerade gewachsene Baumstämme verwendet. Diese werden in horizontal aufeinandergeschichteten Kränzen in den Ecken miteinander verbunden. Beim verbreiteten Kantholzblockbau werden Kanthölzer («Flecklinge») mit einer Breite zwischen 9 und 15 Zentimetern benutzt. Ihre Höhe beträgt 25 bis 30 Zentimeter; am Wurzel-/Stockende können es bis zu 50 Zentimeter sein. Zudem sind aber auch Rundholz- und Hälblingsblockbauten anzutreffen. Die Eckverbindungen und Querwandanschlüsse dienen der Verzahnung der Blockbohlen und werden je nach Art des Gebäudes ausgebildet mit Vorstoss, Einzelvorstoss (z.B. Gratzapfen) oder ohne Vorstoss (z.B. Zinken oder Hakenblatt).

Rundholz-Blockbau: Wandquerschnitte mit Lagerflächen und Nut+Feder-Anschluss sowie Eckverband mit Vorstoss. Zeichnung: Elia Schneider, 2022
Rundholz-Blockbau: Wandquerschnitte mit Lagerflächen und Nut+Feder-Anschluss sowie Eckverband mit Vorstoss. Zeichnung: Elia Schneider, 2022
Kantholz-Blockbau: Wandquerschnitte mit Nut+Feder bzw. Nut+Kamm-Verbindung sowie Eckverband ohne Vorstoss beim verzinkten Block. Zeichnung: Elia Schneider, 2022
Kantholz-Blockbau: Wandquerschnitte mit Nut+Feder bzw. Nut+Kamm-Verbindung sowie Eckverband ohne Vorstoss beim verzinkten Block. Zeichnung: Elia Schneider, 2022

Zur Kipp- und Verdreh-Sicherung können die Blockkränze mit Dollen (Hartholzdübel) gesichert werden. Auf jeder Stockwerkhöhe wird das ganze Gebäude in der Regel mit stärkeren, wenn möglich durchgehenden Bundhölzern (Einbindern) zusammengehalten. Diese Bundhölzer werden vielfach mit Stabprofilen und Schnitzereien versehen. Blockbaukonstruktionen können aber auch als offener Block ausgeführt werden. Diese Bauweise kommt vor allem bei landwirtschaftlich genutzten Bauten zum Einsatz, beispielsweise als Heustall. Mangels aussteifender Zwischenwände unterstützen hier Schwertkeile und Schlossbohlen die Aussteifung.

In der Vergangenheit wurde meist sägefrisches Holz verwendet, sodass die Setzmasse der Bohlen konstruktiv berücksichtigt werden müssen. Diese können pro Geschoss bis zu 30 Millimeter betragen. Die Zapfenlöcher an Fenster- und Türpfosten müssen daher tief genug eingestemmt werden. Heute werden mehrjährig gelagerte oder technisch getrocknete Hölzer bevorzugt. Die Winddichtheit des historischen Blocks wurde verbessert, indem Dichtungsmaterial (Moose, Flechten) eingelegt wurden.

Das Dach des Blockbaus kann als Sparren oder als Rafen- bzw. Balkendach in Form eines Sattel- oder Pultdachs ausgeführt sein. Als Auflager können Vorstösse zu Konsolen erweitert werden. Eine spezielle Dachkonstruktion stellt das Blockdach dar, bei welchem die Längsbalken in allen treppenförmigen Einsprüngen des Blockkranzes aufliegen.

Beim historischen Blockbau war die Blockwand gleichzeitig Tragstruktur, Raumabschluss und Oberfläche. Heutige Konstruktionen benötigen bessere Dämmeigenschaften, sodass die Grundstruktur des Blockbaus erweitert werden muss. Entsprechende Dämmebenen können hinter Verkleidungen verborgen werden. Bei der Sanierung historischer Bauten wird oft mit doppelwandigen Blockkonstruktionen («Haus in Haus») gearbeitet – eine Grundidee, die auch bei neuen Blockbauten variiert wird.

Offener Kantholz-Blockbau mit Schwertkeilen und Schlossbohlen. Zeichnung: Elia Schneider, 2022
Offener Kantholz-Blockbau mit Schwertkeilen und Schlossbohlen. Zeichnung: Elia Schneider, 2022

Literatur

Eissing, Thomas; Furrer, Benno et. al.: Vorindustrieller Holzbau. Terminologie und Systematik für Südwestdeutschland und die deutschsprachige Schweiz. Stuttgart 2012, S. 71 ff. – Josef Kolb: Holzbau mit System. Zürich 2012 (3. Aufl.), S. 50 ff.. – Bellwald, Werner; Flückiger-Seiler, Roland et. al.: Holzjahrringe und ihre Aussagekraft. Aufschlussreiche Resultate für die Walliser Bauernhausforschung, in: Schweizerische Bauernhausforschung (Hg.): Die Bauernhäuser der Schweiz: Wallis (Bd. 3.1). Visp 2011, S. 747–774. – Gurtner, Thomas: Skript BBH0402 Holzhausbau 1: Systeme, Version 1.0 (21.02.2022), S. 5 ff.. – Nessensohn, Jakob; Haldemann, Hans et. al.: Konstruktionslehre für Zimmerleute. Zürich 2009 (Bd. 2).

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