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Mehrzweckhalle Vrin

Vrin, GR
1996
Tragwerksplanung
Bauzeit
1995 – 1996

Der erste grössere Bau mit überregionaler Ausstrahlung, den Gion A. Caminada in seinem Heimatdorf Vrin im Val Lumnezia errichten konnte, war die Mehrzweckhalle. Das schlichte, rechteckige Volumen schliesst mit einem Verbindungstrakt an das Dorfschulhaus aus dem Jahr 1963 an, Ausrichtung und die Dachform sind identisch. Erst im Innern wird die kühne Konstruktion sichtbar. In Zusammenarbeit mit dem Ingenieur Jürg Conzett entwickelte Caminada ein leichtes Hallentragwerk, welches die hohen Schneelasten abfängt und den Innenraum trotzdem mit einer filigranen Tragstruktur bereichert. In Anlehnung an eine von Robert Maillart im Jahr 1924 errichtete Lagerhalle in Chiasso wurde eine als 3-Gelenkbogen-Konstruktion realisiert, die 13 Meter überspannt. Die Last wird pro Gespann über fünf Zugbänder aus Nadelholz auf die Pfosten geleitet. Die Verbindung erfolgt mit Stahlplatten und Bolzen. Seitlich ragen die Stahlplatten über die Pfosten und damit auch über die Aussenwand hinaus. Caminada integrierte sie in die durchgehenden, vorgesetzten Kastenfenster, brachte so Architektur und Konstruktion in Einklang und das Dachwerk zum Schweben. Im Nebenraum ist eine Küche angesiedelt, ausserdem kann eine Bühne mittels Schiebetoren zum Hauptraum addiert und die Mehrzweckhalle in einen Theatersaal verwandelt werden. Das einzige Fenster auf Augenhöhe ist gegen Westen gerichtet und bietet Blick auf die Greina. Die vielseitige Mehrzweckhalle stellt damit eine Symbiose zwischen Ingenieurskunst und Architektur dar und ist Beispiel einer ästhetisch und funktional hervorragend umgesetzten, interdisziplinären Bauaufgabe.

Adresse
Plaz Scola 80A-B, 7149 Vrin
Höhe
1450 müM
Lage
Hang
Kontext
Bergregion
Nutzung
Bildung, Öffentlich, Sport
Tragwerk
Decke
Balken
Fassade
Holz
Geschosse
1
Untergeschosse
0
Auszeichnungen

Neues Bauen in den Alpen, 1999
Architekturpreis für Bauökologie, 1997

Literatur

Márquez Cecilia, Fernando und Levene, Richard C.: Gion A. Caminada, 1995–2021. Identidad, autonomía y resonancia, in: El Croquis. Madrid 2021, S. 18_29. – Dosch, Leza; Bernhard Furrer und Ludmila Seifert: 52 Beste Bauten, Baukultur Graubünden 1950_2000. Zürich 2020, S. 110–111. – Yoshida, Nobuyuki.: Gion A. Caminada, in: A+U. Tokyo 2015, S. 36–41. – Reichlin, Bruno: Jürg Conzett und Mohsen Mostafavi: Structure as Space. Engineering and Architecture in the Works of Jürg Conzett and his Partners. London 2006, S. 52–157. – Gantenbein, Köbi: Bauen in Graubünden. Ein Führer zur zeitgenössischen Architektur. Zürich 2006 (3. überarb. und erw. Auflage), S. 186¬–189. –Schlorhaufer, Bettina (Hg.): Cul zuffel e l’aura dado. Gion A. Caminada. Luzern 2005, S. 82–99. – Mayr Fingerle, Christoph: Neues Bauen in den Alpen. Architekturpreis 1999. Basel 2000, S. 54–65. – Riederer, Ursula: Karge Bauten im Lugnez, in: Hochparterre. 3/1996, S. 34¬–35. – Caminada, Gion A. und Conzett, Jürg: Selbstverständlich Holz, in: Archithese 5/1995, S. 52–58.

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Bilder

Pläne

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