Die «Alte Universität» am Rheinsprung ist der Ausgangspunkt der Basler Universitätsgeschichte. Der mittelalterliche Baukomplex wurde 1589 um den ersten botanischen Garten der Schweiz ergänzt. Die terrassierte Anlage am Rhein wurde mehrfach umgestaltet: im 18. Jahrhundert zu einem Lustgarten, zuletzt durch das Zoologische Institut um einige Tiergehege ergänzt. Ab 2001 wurde der Garten nicht mehr genutzt und verwahrloste zunehmend. 2016/17 erfolgte eine Sanierung, die den historischen Garten wiederbelebte, abgegangene Bauten wie das Lusthaus jedoch neu interpretierten. Der Pavillon besitzt einen quadratischen Grundriss und thront auf der Stützmauer am Rheinufer. Die Fassade nimmt Bezug auf sogenannte Treillage-Konstruktionen – kunstvolle Rankhilfen, die in der Entstehungszeit des einstigen Lusthauses populär waren. Das Gitternetz aus Lärchenlatten – rissarmes Schweizer Mondholz aus der alpinen Zone – ist im 45 Grad-Winkel verschieden dicht gefügt und bietet damit variierende Durchblicke respektive ein abwechslungsreiches Lichtspiel. Auf der Rheinseite ist das Gitternetz bis auf die nächste Terrasse hinab geführt, was dem Pavillon optisches Gewicht verleiht. Das Raumhülle wird von einem Zeltdach geschützt, entbehrt horizontale Holzoberflächen und trocknet ob ihrer Filigranität nach Regenschauern rasch wieder ab. Sämtliche Verschraubungen befinden sich auf der Innenseite – ein Musterbeispiel des konstruktiven Holzschutzes.
Prix Lignum (2018)
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