Die «Mon Ermitage» war das Wohnhaus der zurückgezogen lebenden Dichterin Isabelle Kaiser (1866–1925). Seit den 1970er-Jahren betreiben die Gemeinde Beckenried und eine Stiftung Haus und Garten als Kulturzentrum. Der Architekt Wilhelm Hanauer war 1901 nach Beckenried gezogen und prägte in den Folgejahren die Belle Epoque während der Blütezeit des Tourismus am Vierwaldstättersee: Es entstanden mehrere heimelige Bauten im Schweizerhausstil. Die Ermitage ist ein Blockbau auf einem schmucken Natursteinsockel, der reich mit Schnitzereien dekoriert ist, die an Brienzer Bauten erinnern. Um der öffentlichen Nutzung besser zu entsprechen, erweiterte Hermann Niess das Haus 1999 seeseitig um einen modernen Saal. Prägend ist daher heute vor allem die Südseite gegen den Park, der eine grosszügige Veranda unter einem weit vorkragenden Satteldach vorgelagert ist. Gebauchte Holzsäulen flankieren die mittige Erschliessung. Im Obergeschoss folgt eine Pergola mit gewendelten Holzsäulen, die asymmetrisch platziert sind. Es ist interessant, mit wie wenigen Mitteln ein ruraler Blockbau zum Domizil transformiert werden kann und Leichtigkeit gewinnt. Der Anbau war funktional notwendig und ist zurückhaltend gestaltet. Dennoch entbehrt die Ermitage heute eine adäquate Seefront.
Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (HG.): Kunstführer durch die Schweiz. Bd. 2. Bern 2005, S. 343. – Hefti, Ruth: Die Beckenrieder Ermitage: eine «Einsiedelei» als Kulturzentrum, in: Nidwaldner Kalender 1984, S. 96–98.
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