Die Ecole d’Humanité ist eine reformpädagogische Schule mit familiärem Internat, die 1910 in Deutschland gegründet wurde und 1934 in die Schweiz übersiedeln musste. Anfänglich war sie in Genf situiert, seit 1946 befindet sie sich in Hasliberg. Andereggs Auftrag war es, ein zentrales Wirtschaftsgebäude und zwei Wohnpavillons zu erstellen, die er in gewohnter Manier sensibel in die Landschaft einbettete. Im Dorfkern handelt es sich hierbei um Terrassierungen, die unmittelbar in Sockelgeschosse übergehen. Das zentrale Wirtschaftsgebäude ist in facettenreiche Treppenläufe in Sichtbeton eingebettet, es entsteht eine architektonischer Aussenraum. Zeitstil war der Brutalismus, Anderegg kombinierte neu differenziert durchgeformte Sichtbetonsockelgeschosse mit einer Holzkonstruktion. Über dem Sockelgeschoss des Wirtschaftsgebäudes schwebt ein grosses Satteldach, dessen Firstspitze weit vorkragt. Darunter verbirgt sich eine weitgehend verglaste Ständerkonstruktion, die von mächtigen Brettschichtholzträgern geprägt wird, den grossen Räumen im Inneren entsprechend. Brüstungen und Geschossdecken sind mit weissen Paneelen verblendet, um den Charakter eines Chalets zu vermeiden. Die Ecole d’Humanite fügt sich in Andereggs Werk, sie verbindet seine spezifische Formensprache mit dem damals vor allem bei Schulhäusern und öffentlichen Gebäuden vorherrschenden Beton-Trend.
Wolf, Daniel; von Allem, Jost: Ernst E. Anderegg. Ausgewählte Bauten in der Region Interlaken-Oberhasli (= Schweizerische Kunstführer). Bern 2011, S. 24–26.
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