Hans Bernoulli hatte bereits in der Zwischenkriegszeit Holzbauten wie etwa das Musterhaus der Landhaus AG am Rütiring 12 in Riehen errichtet. Inspiriert von der effizienten Konstruktion von Militärbaracken entwickelte er in der Folge noch effizientere Raumstrukturen, die eine Vorfabrikation ermöglichen sollten: Angesichts des nahenden Endes des 2. Weltkriegs zeichnete sich eine grosse Nachfrage nach kostengünstigen Wohneinheiten für den Wiederaufbau ab. In Zusammenarbeit mit der Basler Holzbaufirma Nielsen-Bohny & Co. AG gelang die ersehnte, erste grossmassstäbliche Realisierung in der Siedlung Im Landauer in Basel. Die patentierte Systembauweise wurde unter der Bezeichnung NILBO in Anlehnung an den Namen des Produzenten vermarktet. Der NILBO-Systembau lagert auf einem Schwellenkranz. Die standardisierten Wandelemente von 1.06 x 2 Meter sind zwischen Doppel T-Stützen gespannt und ohne Verschraubung befestigt. So konnte in nur einem Tag ein ganzes Haus errichtet werden, oder – wie Im Landauer – ein Wohn- auf ein massives Sockelgeschoss gefügt werden. Die schnelle Bauweise trug massgeblich zum Erfolg in der Schweiz bei, im kriegsversehrten Europa kam die NILBO-Bauweise jedoch nicht zum Einsatz. Das NILBO-System vereint visionäres Bauen mit hoher architektonischer Qualität.
Zurfluh, Lukas: NILBO, in: System & Serie: Systembau in der Schweiz – Geschichte und Erhaltung. Zürich 2022, S. 102–107. – Anselmetti, Romana; Magel, Stefanie: Kostengünstig, flexibel und beliebt: Qualitätvolle Holzbauten in NILBO-Bauweise, in: Kantonale Denkmalpflege Basel-Stadt (Hg.): Jahresbericht. Basel 2018, S. 74–83. – Claus, Sylvia; Zurfluh, Lukas: Städtebau als politische Kultur, der Architekt und Theoretiker Hans Bernoulli. Zürich 2018, S. 299–302. – Nägelin, Karl; Nägelin, Maya: Hans Bernoulli, Architekt und Städtebauer. Basel 1993, S. 245–246. – Bernoulli, Hans: Die NILBO-Bauweise, in: Das Werk 1/1945, S. 29–32.
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